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19.05.2020 - Hören wie ein Luchs

Auch wenn Menschen kilometerweit entfernt sind: der Luchs kann sie hören. Seine Ohren, die gleichzeitig sein Markenzeichen sind, helfen ihm dabei: Schwarze Haarbüschel stehen wie Pinsel an seinen Ohren nach oben – und damit hört der Luchs schon über Kilometer hinweg, was sich in seiner Umgebung tut.

Hören wie ein Luchs

Hunde hören schon sehr gut: Eine Trillerpfeife nehmen sie aus 2,8 Kilometer Entfernung wahr. Ein Luchs aber 4,5 Kilometer. Und sogar eine 65 Meter entfernte Maus können die Großkatzen hören. Dazu hilft ihnen ihr Markenzeichen: ihre Pinselohren. Oben haben sie schwarze Haarbüschel. Heute geht man davon aus, dass sie wie Antennen wirken, und die Luchse dadurch Geräusche richtig orten können. Auch ihr weißer Backenbart unterstützen die Superlauscher. Man geht heute davon aus, dass er die Schallwellen reflektiert.

Die Anatomie

Der Luchs ist eine Großkatze. Er wiegt zwischen 20 und 25 Kilogramm. Auffällig ist neben den Ohren und dem Backenbart sein Stummelschwanz. Bisher weiß man nicht genau, warum er – im Gegensatz zu anderen Katzentieren – so kurz ist. Groß sind hingegen seine Pfoten. Diese haben in der Mitte und am Rand Haarbüschel. Der Vorteil ihrer Größe ist, dass sie das Körpergewicht auf weichem Untergrund wie beispielsweise Schnee besser verteilt und der Luchs so auch bei eisigem Wetter wunderbar auf einer Schneedecke laufen kann. Die Haarbüschel an den Pfoten dienen zudem als Kälteschutz. Auf kurze Distanzen kann er bis zu 70 Stundenkilometer schnell Sprinten.

Bis ein Kilogramm Fleisch

Luchse sind Einzelgänger. Sie leben in Waldgebieten, die bis zu 450 Quadratkilometer groß sein können. Sie jagen in der Dämmerung und nachts. Auf ihren Speiseplan stehen Rehe, aber auch Vögel und andere Säugetiere. Um zu überleben benötigt der Luchs etwa ein Kilogramm Fleisch pro Tag.

Der Feind

Der größte Feind des Luchses ist der Mensch. Zum einen, weil er den Lebensraum der Luchse stetig verkleinert und zerstört; zum anderen sind es aber auch beispielsweise Krankheiten und Unfälle auf Straßen, die den Bestand der Großkatzen dezimieren.

Der Schutz

Um den Schutz der Luchse kümmert sich unter anderem die Deutsche Wildtier Stiftung. Sie startete an einem 2015 gestarteten Projekt zur Auswilderung von Luchsen im Pfälzerwald. Auch im Harz gibt es ein Projekt zum Schutz der Großkatze. Anfang 2000 setzten sich Jäger und Naturschützer erstmals wieder für die Ansiedlung des Luchses im Harz ein. Das Projekt ist erfolgreich. Heute kann man sagen: „Ein alter Harzer ist zurück.“ Heute leben etwa 90 Luchse im Harz.

Fast ausgestorben

Das war nicht immer so. Vor rund 200 Jahren wurde die Großkatze massiv verfolgt und nahezu ausgerottet. Im Bayerischen Wald wurde nahe Zwiesel 1846 wahrscheinlich der letzte Luchs erschossen. Wie auch bei Wolf und Bär war die Ausrottung in zwei Etappen erfolgt: Zunächst drängte der Mensch die Tiere in weitgehend unzugängliche Bereiche zurück. Als die Menschen jedoch auch dort siedelten, kam es zum Konflikt: Der Luchs riss das Vieh. (Auch weil der Mensch den Bestand seiner eigentlichen Nahrung – Rehe und Rotwild – drastisch dezimiert hatte.) Daraufhin schoss der Mensch den Luchs – bis hin zur Ausrottung.

Gefährlicher Luchs?

Stellt sich natürlich die Frage: Kann ein Luchs heute dem Menschen gefährlich werden? Eher kaum. Luchse sind scheue Tiere. Sie hören den Menschen schon aus weiter Entfernung und würden sich eher von ihm fernhalten als ihn anzugreifen. Von daher kann es schon als außerordentlicher Glücksfall betrachtet werden, wenn man tatsächlich einen Luchs in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt.

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